1. Als Texter Geld verdienen

Katrins Alltag als Teilzeit-Texterin

Luxusjob vs. vernünftige Arbeit

Seit 2015 arbeite ich als Texterin und Ghostwriterin, mal mehr und mal weniger viel. Zwischenzeitig habe ich auch mit etwas Vernünftigem mein Geld verdient. Was vernünftig bedeutet? Das habe ich ehrlich gesagt, auch noch nicht herausgefunden.

„Ach, Katrin, willst du denn nicht mal was Richtiges arbeiten?“, wurde ich oft gefragt.

Das war damals. Heute stehe ich nicht mehr im Zwang, mich rechtfertigen zu müssen, weil ich mit etwas mein Geld verdiene, dass nicht nur mein Beruf ist, sondern meine Berufung.

Vernünftig handeln – für die anderen

Die ersten Jahre meiner Tätigkeit waren hart, da dieser Beruf kein Gängiger ist und ich nie angestellt als Texterin gearbeitet habe, sondern als Freelancer. Meine Aufträge habe ich mir selbst akquiriert. Das war für einige in meinem Umfeld unverständlich und das haben sie mir sehr oft unter die Nase gerieben. Ich hatte kaum bis keine Ausgaben und musste mich nicht um Sozialversicherung, Krankenkasse oder Ähnliches kümmern. Durch den Zuverdienst meines Partners war das möglich – Ein Grund, weshalb manche der Meinung waren, dass es ein Luxusjob sei, da ich ihn ohne den finanziellen Rückhalt meines Mannes nicht hätte ausüben können. Really? Die meisten hatten und wollten keine Vorstellung davon, wie hart, aber auch wie toll es sein kann, als Texterin zu arbeiten. Bist du nicht die Norm, wirst du abgewertet.

Auferlegte Arbeitszeiten als Texterin

Ich bin nie ein Workaholic gewesen, hatte mich super schwer mit eigens auferlegten Arbeitszeiten getan. Inzwischen bin ich disziplinierter als Texterin. Durch das Wechselmodell als getrenntlebende Mutter zweier Kinder, habe ich zusätzlich die Kinderbetreuung. Mein kleinstes Kind ist noch nicht so selbstständig, deshalb kann ich in den Kinderwochen nie vor 9 Uhr mit der Arbeit beginnen. An kinderfreien Wochen fange ich um 8 Uhr an.

Sich die Arbeitszeit im Homeoffice frei einteilen zu können ist toll, macht extrem flexibel im Alltag. Wenn ich vormittags Termine habe, kann ich nachmittags arbeiten. Aber es ist auch ein Fluch. Das Gefühl „Feierabend!“ habe ich selten. Gerade wenn die Kinder da sind, muss ich oft nach 20 Uhr noch arbeiten, obwohl ich seit 6 Uhr wach bin.

So mancher Kunde scheint der Überzeugung zu sein, ich würde am Osterwochenende um 20 Uhr arbeiten. Ein Fehler, den ich zu Beginn gemacht habe und heutzutage anders angehe. Es ist einfach, eine E-Mail vom Kunden zu lesen, die um 22:34 Uhr reinkommt. Aber auch das musste ich lernen: Die Mail kann bis morgen warten. Irgendwann nach Feierabend, denke ich als Festangestellte nicht mehr über die Arbeit nach. Als freiberufliche Texterin, die durchaus ihre Arbeitszeit über den Tag splitten muss, ist das nicht so einfach.

Ein Tag voller To-Do’s

Wenn um 9 Uhr die Arbeit beginnt, checke ich als erstes die Mails und bearbeite sie. Manchmal schiebe ich gleich die Kundenakquise hinterher. Je nach dem, was auf meiner To-Do-Liste steht, lege ich mir die Aufgaben so zurecht, dass ich immer etwas anderes mache. Die schwierigste Aufgabe mache ich zuerst, dann ist sie durch. Ich habe festgestellt, dass ich effektiver bei der Sache bin, wenn ich nach 1,5 Stunden eine Monitorpause einlege.

So baue ich den Haushalt zwischen den Tätigkeiten ein, bespreche mich mit Kunden oder Kollegen. Vier Stunden durchschreiben, das kann ich nicht. Da geht mir die Konzentration flöten.

Einige Aufträge kommen jeden Tag auf die Liste, an denen ich stundenweise arbeite, damit ich mein Pensum schaffe. Andere lege ich mir auf bestimmte Tage, wie zum Beispiel das Einsprechen von Texten oder Korrekturen. Audioaufnahmen werden üblicherweise nicht von Textern übernommen, aber ich habe mich dahingehend spezialisiert und biete es zusätzlich an.

Auch die Buchhaltung führe ich an ausgewählten Tagen durch. In der Kinderwoche komme ich tagsüber auf fünf Stunden Arbeitszeit. Die Zeit am Abend ist hier noch nicht eingerechnet.

Stundenweise gehe ich meinem Gewerbe als psychologische Beraterin nach. Denn das läuft parallel zur Freiberuflichkeit. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach.

Vernünftiger Luxus als Texterin

Sicherlich kann ich einen festen Job annehmen, jeden Monat das gleiche Gehalt bekommen und habe finanzielle Sicherheit, habe weniger um die Ohren mit Steuern etc. Aber auch wenn ich zwischenzeitig Angestelltenjobs hatte, fühlte ich mich in der Selbstständigkeit am wohlsten. Ich sorge für meine Rente, Versicherungen und Steuern selbst. In einer Festanstellung übernimmt das der Arbeitgeber. Das macht das Abenteuer schwierig, aber auch spannend.

Heute mache ich mir nichts mehr aus der Meinung der anderen.

Vernünftiger Luxus, würde ich sagen, ist es, was ich habe. Zusammen mit meinem Mann nehmen wir gemeinsam Geld ein und geben es gemeinsam aus. Es gibt ein Soll, das ich im Monat verdienen muss. Mein Luxus ist es, dass ich alles darüber hinaus, für Luxus ausgeben kann. Wir können uns damit Unternehmungen leisten oder das Geld beiseite legen.

Hier geht es zu Tinas Bericht
Hier geht es zu Gregors Bericht
Hier geht es zu Julianes Bericht

Author

tina@familie-reinhardt.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das Geschäftskonto

16. April 2021