2. Kundenerlebnisse bei Krümeltexte

Kundenerlebnis – eine Frage der Moral

Heute möchte ich weniger über ein spezielles Kundenerlebnis sprechen. Vielmehr geht es in diesen Artikel um die Frage der Moral. Vermutlich ist es in vielen Berufen so, dass auch fragwürdige Kundenanliegen eintrudeln, doch als Content Creator sollte man sie fest einplanen und damit rechnen. Ich hatte schon so einige Anfragen, die ich moralisch hinterfragt habe.

Was sollte ich moralisch nicht vertreten/annehmen?

Diese Frage lässt sich überhaupt nicht pauschal beantworten. Viele Texterinnen und Texter würden beispielsweise jeden Text aus dem Erotik-Bereich ablehnen und empfinden es als moralisch verwerflich, für Damen, die Telefonsex anbieten, schöne Profilbeschreibungen zu gestalten. Ich habe damit kein Problem, wenn die Frauen diesem Beruf freiwillig nachgehen und ich lediglich die Texte verfasse, aber selbst nicht am Telefon bin, warum nicht!? Du musst für dich selbst entscheiden, was du vertreten kannst und was nicht. Ich schreibe auch über Fetische, die ich selbst nie ausprobieren würde – muss ich aber auch nicht. Mein Job ist lediglich, darüber zu berichten und ich vertrete die Meinung, solange es niemandem schadet und die Menschen Freude daran haben, können sie so ziemlich allem nachgehen. Ich betrachte es rein als Job und muss dem privat nicht genauso gegenüberstehen.

Wo zieht Krümeltexte die Grenze der Moral

Hier spreche ich nicht nur für mich, sondern als Geschäftsführerin von Krümeltexte. Ich würde keine Textaufträge annehmen, bei denen es um illegale Dinge geht. In Bezug auf Erotik liegt die Grenze beispielsweise bei Tier- oder Kinderpornografie. Solche Textaufträge würde ich niemals annehmen, weder selbst verfassen, noch an das Team abgeben. Das widerspricht jeglicher Moral des Unternehmens.

Achtung: Sei vorsichtig bei der Auftragsannahme illegaler Themen. Diese solltest du nicht verherrlichen oder als legal darstellen.

Quelle: www.pixabay.com

Von Fetisch-Hausaufgaben bis zum Erotikchat

Tatsächlich bekam ich einmal eine Anfrage von einem Mann mit einer Vorliebe für Schuhe. In regelmäßigen Abständen wünschte er sich Texte, die ihn dazu auffordern sollten, sich neue Schuhe zu kaufen (deren Art und Aussehen ich hätte bestimmen sollen), sich mit den Schuhen selbst zu schlagen oder sie zu küssen und zu streicheln – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Erledigung dieser Hausarbeiten wollte er mit Fotos dokumentieren und mir diese zukommen lassen. Sollte ich unzufrieden sein, wünschte er sich entsprechende Bestrafungen. Für die Texte der Hausaufgaben und Bestrafungen war er bereit zu bezahlen. Diese ungewöhnliche Anfrage musste ich erst einmal sacken lassen und lehnte sie schließlich ab. Mir kam es falsch vor, dafür bezahlt zu werden (ich habs auch nicht unbezahlt gemacht). Wenn jemand diesen Fetisch teilt, sollte dies in meinen Augen nicht gegen Bezahlung stattfinden. Andere Freelancer hätten sich vielleicht anders entschieden.

Eine andere Anfrage hatte ich von mehreren Plattformen. Hier ging es um Erotik-Chats. Männer schreiben mit anderen Frauen. Sie bezahlen für ihre versendeten Nachrichten. Die Frauen nutzen den Dienst kostenlos. Das Angebot bestand darin, dass ich verschiedene, nicht-reale Frauenprofile nutze, um mit den Männern zu chatten. Jede Nachricht, die beantwortet wurde, sollte mit einem Centbetrag, der von Plattform zu Plattform unterschiedlich ausfiel, bezahlt werden. Am Ende des Monats sollte die Auszahlung folgen. Angeblich wären riesige monatliche Einkommen möglich, dabei war die angebotene Bezahlung pro Message überall unterirdisch schlecht. Von Seiten der Moral aus, ist dies in meinen Augen verwerflich und ob es legal ist, möchte ich bezweifeln. Männern wird hier vorgespielt, dass echte Frauen, echtes Interesse an ihnen haben, aber reale Treffen werden immer wieder unter einem Vorwand verschoben.

Schularbeiten und Co. verfassen

Verlassen wir die Erotik-Branche. Immer wieder kommen Anfragen, ob nicht die Schul- oder Studienarbeit verfasst werden könnte. Diese Bitten sind auf jeden Fall moralisch zu hinterfragen. Schließlich geht es hier um „Betrug“. Letztendlich ist es grenzwertig, denn über ein Thema einen wissenschaftlichen Text zu verfassen, ist nicht zwangsweise illegal. Falsch ist es für den Kunden, diese Arbeit als eigene abzugeben und bewerten zu lassen. Nicht immer weiß man, wie die Texte tatsächlich genutzt werden. Ist von vornherein klar, dass es sich um eine Schul- oder Studienarbeit handelt, solltest du dir gut überlegen, ob du das mit deinem Gewissen vereinbaren kannst. Etwas anders ist die Sachlage, wenn der Kunde die Arbeit bereits verfasst hat und dich lediglich um Korrekturen der Rechtschreibung und Grammatik bittet.

Quelle: www.pixabay.com

Bezahlte Produktbewertungen – was sagt die Moral?

Dieses Thema ist im Bezug auf die Moral auch nicht in einem Satz abzuhandeln. Ich sehe das differenziert. Es gibt Produktbewertungen, die mit einer Geldsumme bezahlt werden, andere stellen lediglich das Produkt kostenlos zur Verfügung. Es wird sich nach einer Testphase eine reale Bewertung gewünscht, die auch negativ ausfallen darf, wenn das Produkt nicht gefallen hat. Die Texte werden als Werbung markiert und darin steht, dass es sich um ein kostenfreies Testprodukt handelt – immer wieder gerne. Gegen solche Produkttests habe ich nichts einzuwenden.

Doch es gibt auch die unseriösen Anfragen, deren Umsetzung übrigens auch nicht erlaubt ist. Interessenten wollen 5-Sterne-Bewertungen, ohne dass man das Produkt je gesehen hat. Manche bieten dir sogar an, den Text dazu vorzugeben und locken mit leicht verdientem Geld, weil du die Bewertung nur veröffentlichen sollst. Davon halte ich gar nichts. Potentielle Käufer der Produkte werden hinters Licht geführt. Ich würde dir raten, bei Anfragen zu Produktbewertungen genau zu prüfen, was du mit dir vereinbaren kannst und was du für moralisch verwerflich empfindest.

Checkliste für dein moralisches Empfinden

  • Sollen im Text illegale, rassistische, diskriminierende Themen verherrlicht werden?
  • Ist mir bewusst, dass der fertige Text für illegale Tätigkeiten genutzt werden soll?
  • Werde ich nach Abgabe meiner Arbeit mit meinem Gewissen kämpfen müssen?

Wenn du eine oder mehrere Fragen dieser Checkliste mit „Ja“ beantworten musst, rate ich dir zur Ablehnung des Auftragsangebotes.

Author

tina@familie-reinhardt.de

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